Jun
17
In den nächsten Tagen wird wohl das "Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen" beschlossen werden. Dieses wird an vielen Stellen des World Wide Web als Anfang des Ausverkaufs der Grundrechte, als Beginn der Zensur im Internet oder als Hilfe für Rechteinhaber, bei der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen gesehen. Doch da vertrete ich durchaus eine andere Meinung. Mit dem Begriff der Kinderpornografie, hat die CDU ein solch starkes Schlagwort, gegen welches rationales Argumentieren eigentlich nicht mehr möglich war. Wer gegen das Gesetz war, will unsere Kinder nicht schützen und hätte an den Stammtischen der Nation einen schweren Stand bis zur Bundestagswahl gehabt. Das die CDU/CSU mehrfach betont hat, dass dieses Gesetz dann auch für das Verbot von Killerspielen und zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen gebraucht werden könnte, ging immer wieder unter, war aber bestimmt das Bestreben der Union. Was nun daraus geworden ist, ist meiner Meinung nach das Optimum. Der Verhandlungsführer der SPD Martin Dörmann ist ein Genie. Die CDU/CSU hatte ein Totschlagargument und wollte ein Gesetz welches beliebig erweiterbar ist und eine Sperrliste, die von keinem kontrolliert werden konnte. Bekommen haben sie ein Spezialgesetz gegen KiPo und eine Kontrolle des BKA. Das ist besser und mehr als ich erwartet habe und wenn man nicht absolut paranoid ist, kann man zufrieden sein. Aus einer Forderung der CDU nach Kontrolle die beliebig erweiterbar gewesen wäre, hat man nun ein technisch vollkommen sinnloses Gesetz, welches aber den Grundsatz "Löschung statt Verbergen" beinhaltet, sich also die Staatsorgane erstmal um die Löschung der Inhalte (was wirklich wünschenswert ist) kümmern müssen, bevor sie ihre Stoppschilder anbringen (Dieser Grundsatz bringtsomit vielleicht wirklich was gegen KiPo). Will man nun Urheberrechtsverletzungen verfolgen, andere Bereiche zensieren oder was auch immer machen, braucht man ein neues Gesetz und dann kann man die Diskussion darüber nicht mehr unter dem Deckmantel des Kampfes gegen KiPo führen. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Verhandlungsgeschickt. Hätte die SPD das Gesetz gestoppt, hätte sie vielleicht paar Tausend Stimmen von glücklichen Internetnutzern bekommen, die ihre Grundrechte gewährt sähen, doch im September hätte es dann einen neuen Gesetzentwurf von CDU/CSU und FDP gegeben. Die Diskussion hätte sich Vordergründig wieder um KiPo gedreht und am Ende hätte Frau von der Leyen ihr Gesetz bekommen, welches dann wirklich als Eingriff in die Grundrechte verstanden werden könnte. So wurde die CDU richtig schön abgefrühstückt.
Update: Nach dem nun die Verlesung des Gesetzes stattgefunden hat und ich mir das Ganze auch angeschaut habe, bleibt eine Sache die mich wirklich stört und zwar, dass die Liste vom BKA und nicht durch eine richterliche Instanz geführt wird.
Meine Meinung - Danke fürs lesen
Update: Nach dem nun die Verlesung des Gesetzes stattgefunden hat und ich mir das Ganze auch angeschaut habe, bleibt eine Sache die mich wirklich stört und zwar, dass die Liste vom BKA und nicht durch eine richterliche Instanz geführt wird.
Meine Meinung - Danke fürs lesen
